Mehr Zeit für das Wesentliche

Christof Högemann optimiert das Lager

Ein übersichtliches Lager, in dem jede Handmaschine, jede Schraube und jede Leiste ihren festen Platz hat, wirkt motivierend auf die Mitarbeiter und hilft dabei, Kosten einzusparen.

Der gelernte Tischler und staatlich geprüfte Holztechniker Christof Högemann, der mit seinem Beratungsunternehmen vor kurzem Tischlerpartner NRW geworden ist, hat sich vor vielen Jahren auf die Optimierung der Lager– und Bestellprozesse in Handwerksbetrieben spezialisiert.

Sein System, zu dem es auch eine passende Software gibt, basiert auf einem schlanken Lager- und Bestellsystem nach japanischem Vorbild. Das sogenannte Kanban-System ermöglicht es, die Materialbestände nachhaltig zu reduzieren und die Lieferfähigkeit zu erhöhen. „Oft sind die Inhaber für Bestellungen zuständig – die Materialbestellug sollte aber Aufgabe der Verwaltung sein“, sagt Christof Högemann. Auf diese Weise bleibe dem Unternehmer mehr Zeit für das Wesentliche.

Klarer Bestellvorgang

Jedem Artikel wird in diesem System ein eindeutiger Lagerplatz zugewiesen, der mit einer festen Regalbeschriftung und einer einschiebbaren Bestellkarte ausgestattet wird. Wenn ein Mitarbeiter Material entnimmt und dabei die auf der Karte angegebene Mindestmenge unterschreitet, wird die Bestellkarte herausgenommen und in eine der Bestellboxen eingeworfen, die in der gesamten Fertigung verteilt sind. Sie werden täglich von der Verwaltung gelehrt, die ein bis zweimal die Woche Standardmaterial bestellt. „Solange jeder Mitarbeiter bei der Entnahme von Material auf die Unterschreitung der Mindestmenge achtet, kann es keinen Materialengpass mehr geben und es steht immer ausreichend Material zur Verfügung“, so Christof Högemann. Besonders komfortabel ist der Bestellvorgang mit dem optionalen Softwaretool OrKa, das er zur Optimierung der Lagerungs- und Beschaffungsprozesse mit entwickelt hat. Die Software ist so aufgebaut, dass sich Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit damit vertraut machen können: „Mir ist es wichtig, meinen Kunden ein System anzubieten, das in sich stimmig ist“, sagt Christof Högemann.

Unproduktive Zeiten einsparen

Mitarbeiter verbringen normalerweise viel Zeit damit, nach Arbeitsmaterialien zu suchen, bei Kollegen nachzufragen oder es bei Engpässen auch eben mal schnell beim Händler zu besorgen. Im Laufe eines Jahres kommen dabei sehr viele unproduktive Arbeitsstunden zusammen. Klare Strukturen, klare Regeln und ein Lager, das an den tatsächlichen Bedarf angepasst ist, helfen dabei, Suchzeiten zu verringern und Sonderfahrten zu vermeiden. „Ein Betrieb mit acht Mitarbeitern kann auf diese Weise relativ leicht auf eine Ersparnis von 45.000 Euro pro Jahr kommen“, so Christof Högemann.

Das Fundament des Systems ist die Standardartikelliste, die jeder Betrieb einmal erfassen muss. Dann inspiziert Christof Högemann das Lager: Was wird wirklich benötigt? Sind alle Lagerorte gut geeignet für die Aufbewahrung? Auf dieser Basis plant der Holztechniker gemeinsam mit dem Inhaber die Lagerorte, die er in einem CAD-Grundriss detailliert erfasst. Vor allem dann, wenn ein Umzug, Neu- oder Umbau bevorsteht, gilt es meist nicht nur das Lager, sondern die gesamte Werkstatt neu einzurichten. In diesen Fällen holt Christof Högemann an gerne seinen Kooperationspartner hinzu – den Tischlermeister Martin Buck, der seit vielen Jahren auf die Layoutplanung von Tischlereien spezialisiert ist.

Christof Högemann war mehrere Jahre lang technischer Betriebsleiter in einem Ladenbaubetrieb und danach Leiter des technischen Vertriebs in einem Industrieunternehmen. Seit über 10 Jahren unterstützt er seine Handwerkskunden bei der Verbesserung ihres Lagers und der Bestellprozesse. Er weiß, wie wichtig es ist, alle Mitarbeiter bei solchen Umstellungen einzubeziehen: „Wichtig ist, dass das neue System nicht nur vom Inhaber, sondern auch von den Mitarbeitern angenommen und umgesetzt wird – denn die müssen ja tagtäglich damit arbeiten“, sagt der gelernte Tischler, der selbst gerne tatkräftig mit anpackt, wenn es ans Aufräumen geht. In den meisten Fällen können die Bestände um 40 Prozent reduziert werden:„Anfangs tun sich manche schwer, aber spätestens ab dem dritten Tag geht es mit dem Wegwerfen richtig schnell und die meisten entdecken ihren Spaß daran.“ Dabei werden auch Ecken entrümpelt, an die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten keiner herangewagt hat: „Da kommen dann öfters mal Beschläge zum Vorschein, die noch vom Großvater sind“. Problematisch seien oftmals Kommissionsreste, die in den Betrieben keinen definierten Aufbewahrungsort haben -und ihn auch nicht benötigen: In Christof Högemanns System, das ganz klar zwischen Kommissions- und Standardlager trennt, werden sie direkt nach Abschluss eines Projektes entsorgt.

Auch auf Nachhaltigkeit legt der Berater aus Olpe großen Wert: Ein halbes Jahr nach der Einführung des neuen Systems kommt er noch einmal in den Betrieb, um zu überprüfen, ob alle Abläufe eingehalten werden. Haben sich alte Fehler eingeschlichen, werden diese gemeinsam korrigiert. Christof Högemann freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen, die er bekommt: „Bei manchen Kunden entwickelt sich so eine Eigendynamik, dass sie das System sogar selbstständig noch weiter ausbauen.“

Media-Informationen

Herausgeber / Redaktion
NRW: Fachverband des Tischlerhandwerks Nordrhein-Westfalen
Verlag
Maenken Kommunikation GmbH
erschienen in
Perspektiven: Ausgabe 06/2017
erschienen am
12.06.2017
Autor(in)
Monika Dieckmann